Neuweiler: Küster Karl Malter in den Ruhestand verabschiedet

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Wunsch, sich für andere zu engagieren, zieht sich wie ein roter Faden durch sein Leben. Die Rede ist von Karl Malter aus Neuweiler. Ende September wurde er nach 26 Jahren Küsterdienst in der Pfarrei St. Hildegard in den Ruhestand verabschiedet. Von Kindesbeinen an ist er im christlichen Glauben verwurzelt. Nicht nur als Küster nahm er seinen Dienst am Menschen in Punkto Nächstenliebe ernst. Mit elf war der junge Karl mit Leib und Seele Messdiener. Dabei war es ihm eine Freude, lateinische Gebetstexte zu entschlüsseln. Der Klang der Sprache und das wohlwollende Umfeld prägten den Jungen. Als Jugendlicher kam er nach Neuweiler. Es war die Zeit seiner Lehre zum Dekorateur und so verschlug es ihn eines Sonntagmorgens beruflich in die Kirche zum Gardienen aufhängen. Prompt wurde Malter vom damaligen Pastor Friedrich Klein vom Fleck weg zum Messdiener in Neuweiler gradiert.

1962 heiratete er seine Frau Hildegard. Sie war von 1981 an als Küsterin in Neuweiler.  Malters Lebensweg führte erst einmal in den Beruf des Postboten, ehe er mit seiner Frau gemeinsam den Küsterdienst antrat. „Eine Tour am Tag, das waren 15 Kilometer, da trifft man Menschen“, erinnert sich der heute 82-Jährige. Es waren die 70er Jahre. Burbacher Hütte. Kurzarbeit. Malter konnte sich das Elend nicht einfach anschauen. „Ich hatte einen Schreibmaschinenkurs gemacht. Die Kenntnisse konnte ich direkt umsetzen“, erzählt er. Der Postbote nahm sich finanziell in Not geratenen Menschen an, erledigte Anträge, behielt Schriftwechsel in Auge, klärte verzwickte Rechnungen, verhandelte mit Gerichtsvollziehern und brachte er fertig, für zwölf Leute Winterbeihilfe zu bekommen, die sich sonst ohne Heizung durch den Winter gekämpft hätten.

Mit 54 Jahren musste er die Tätigkeit als Briefträger aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. „Ich schaue auch in Krisen nach vorne, suche das Gute“, erklärt er und fand es in der Weiterbildung zum Küster, die er 1995 mit einer Prüfung abschloss. Jetzt waren die Malters ein Küsterpaar. Ob Messdiener oder Sternsingergruppen – Malter ging es immer darum, die Kinder zu motivieren, ihnen Aufgaben zuzutrauen. „Lesungen von Messdienern vortragen zu lassen ist zwar ungewöhnlich, aber es hat die Kinder sehr motiviert“, erinnert er sich. Auch das Fingerspitzengefühl in der Ausübung des Messdiener-Dienstes bei Beerdigungen konnte Malter vermitteln. Zwölf Jahre betreute er seine Messdiener, 22 Jahre war die Sternsingeraktion unter seinen Fittichen. Erst waren es fünf Gruppen mit 25 Kindern gewesen, schließlich hatte er die Neuweiler Jugend in drei Jahren auf 75 Kids mit 15 Gruppen motiviert. Ritualisierte Abläufe, ein offenes Ohr, wohlwollende Blicke, Abschlussfahrten ins Grüne – all das war das Zeug, aus dem Motivation gemacht wird.

Querdenken und Netzwerke für den guten Zweck nutzen war seit jeher Malters Plus. 2003 erfuhr er von einem bekannten Arzt von verletzten irakischen Kindern, die nach Deutschland gebracht werden sollten. Malter klemmte sich dahinter. Krankenhäuser in Dudweiler, Sulzbach und Neunkirchen machten auf seine Vorsprache hin 21 Betten kostenlos frei, übernahmen Pflege- und Arzneikosten. Damals konnten irakische Kinder erfolgreich behandelt und nach Hause geflogen werden. Danach schaffte Malter 200 Krankenbetten mit Matratze in den Irak nach Bagdad, wo sie dringend gebraucht wurden. „Ohne die Hilfe der Helfer wären aber die Projekte nicht gelaufen“, betont Malter im Rückblick. Für sein Engagement wurde ihm 2005 eine große Ehrung zuteil. Die damalige Innenministerin des Saarlandes Annegret Kramp-Karrenbauer überreichte dem damals 68-Jährigen die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland für seine „Verdienste um Volk und Staat“.

Karl Malter hat im Laufe seines kirchlichen Engagements in Neuweiler fünf Pastöre miterlebt. Drei davon als Küster. „Es waren immer andere Charaktere. Jeder hat auf seine Art Gottesdienst gefeiert“, erinnert er sich mit warmem Unterton. Nach dem Tod seiner Frau Anfang des Jahres und mit dem Ruhestand haben sich viele Dinge geändert. Aber Malter bleibt seinem roten Faden treu, denn er kann es nicht lassen. Stichwort Nachbarschaftshilfe.